Der Abschied

Gehen. Wie sollte er das. Jetzt da er den Hesse jüst zu Ende gelesen und all die Lektionen verstanden. Wohin? Egal ob Nord oder Süd er würde ihn nicht mehr sehen. „Wie kann ich gehen Meister, jetzt da ich doch soweit gelangt, jetzt wo ich endlich zu verstehen beginne.“

Der Meister lag auf dem Boden und las die Zeit im Schneidersitz. Eine Kerze brannte vor dem Buddha an dem Nebelschwaden des Rauchopiums vorbeizogen. Eine Klingel war zu hören, kurze Zeit später Kindergeschrei. Die Wohnung des Meisters war klein und spärlich, indische Immigranten werden in unseren Gefilden nicht mit Freude erwartet.In der Küche trockneten durchwachsene Kartoffeln in der Mittagssonne. Ein Spiegel reflektierte die Sonnenstrahlen fast in seine Augen. Doch konnten noch keine Tränen fließen. Stattdessen machte sich Aggression in ihm breit.

Was war das für ein Lehrer, der seine Schüler in die Winde schickte und dabei auf dem Boden lag und Zeitung las. Was war das für ein Deutschland in dem er, längst hätte er doch Indien besucht gewahrte man ihm nur die Möglichkeit zu einer solchen Reise, um den Wiedereintritt in die Lehre betteln musste. „Für euch habe ich gehungert, für euch habe ich gebetet damit ihr besser seht und jetzt liegt ihr da und lest solch Schlagzeilen über Politik. Wie könnt ihr mich verlassen, wo ich doch lange euer Schüler gewesen, wo ich euren Abwasch erledigt habe? Ich bin dessen so satt, immer eure Ratschläge, eure Anweisungen und Lektionen. All das um mich im Regen stehen zu lassen und mir Lebewohl zu sagen? Und ihr habt wieder Schnaps getrunken, dort im Kühlschrank stand eine angebrochene Flasche Schinkenjäger. Nennt ihr das die Askese, die ihr mir Jahrelang gepredigt habt? Nennt ihr das Verzicht? Auf Wen wollt ihr noch verzichten? Auf eure winzige Wohnung, euer Weib und eure Kinderscharen? Nicht einmal die Brille könnt ihr euch noch leisten. Ich habe die ersten Lektionen doch teuer bezahlen müssen bevor ihr mich in die Lehre nahmt und jetzt seid ihr wieder am Anfang eures Werdens, eurer nüchternen Existenz. Das hier ist nicht Indien, wir gehen hier arbeiten um zu Leben, das solltet ihr wissen.“

Der Meister sah ruhig zu ihm auf und sah in die Augen die so tief blickten, dass sich die Tränen langsam nicht mehr zurückhalten können würden, dennoch sprach er sachlich und mit ruhiger Stimme. „Was bleibt dir denn? Was ist es was ich dich lehrte? Wozu den Meister denn angehört? All das ist nicht die Welt mein Kind. Hören, Riechen, Schmecken, Atmen das ist deine Welt und du glaubst asketisch in ihr zu sein. Doch hast du wahre Askese nie gespürt, die wie die Ebbe alles mit sich nimmt was du besitzt. Doch ist sie auch wie die Flut die dich mit Fischen und Salz beschenkt. Was wäre denn dein Leben ohne diesen Meister? Noch immer wäre da die Flut und die Ebbe, noch immer das Salz im Wasser. Niemals bin ich von dir gegangen auch wenn du verreist. Niemals trennt uns noch der Tode wo dass Band das wir geknüpft doch längst vergoldet ist. Was scheren dich meine Augen und mein altes schwaches Herz. Ja ich habe getrunken und den Teufel gespürt, möglicherweise hat das viel in mir zerstört doch was nützt mir das Werkzeug der Augen noch, wo ich doch stets den Wind an der Haut spüre und rieche wie die Blumen wachsen. In Nirwana wirst nichts mehr haben, außer diese Linien, die du doch nicht durchschneiden kannst und doch wartest du auf den zu dir sprechenden Meister. Wie kann dein Meister je ein Schüler sein, wo sein Schüler sich doch weigert Meister zu werden und die Fassade der Initiation abzulegen? Höre auf den Ruf mein Bester, nicht ich bin es der ruft, du selbst bist es. Nichts was du brauchst ist in deiner Welt, alles was du hast ist dein Körper, den du auch nicht überallhin nehmen kannst. Was nützt dir die Uhr an der Hand wo Gott der Zeitlose doch diese Welt geschaffen? Was nützt dir das viele Geld in deiner Brieftasche wo das Obst doch an den Bäumen hängt. Was nützt dir der Meister der doch sterblich ist. Wir werden uns nicht wiedersehen. Bis bald“

Lange klangen die Worte nach, wie vieles andere, dass der Meister gesagt. Er wusste nicht was jetzt passierte, solle der Meister auch erblinden. All das waren Rätsel gut getarnt aber doch Rätsel. Und er, was würde er tun, wo würde er Leben. Er würde sie lösen.

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