Die Stereoanlage

Es war ein Moment, nur ein Moment. Und da waren sie inzwischen oft, die Händeschüttler. An diesem sonnigen Vormittag hatte ich mal wieder nach einer durchlesenen Nacht Papas alte Stereoanlage angeschlossen. Und so lief nun FFN, die Nachrichten und ein bisschen Musik zwischendurch. Ich fühlte mich wieder in die neunziger Jahre versetzt als Papa auf dem Sofa rauchte, um seine Probleme zu vergessen. Ja mein Vater, ein stets trauriger Bankangestellter, den die Menschen eures Standes einen Krüppel zu nennen pflegen. Der Krüppel. Das war er für mich nie gewesen, denn er war mein Vater, der da rauchte und mal wieder traurig war.

In der Bank hatte er aufgrund der Lähmung seiner rechten Körperhälfte nie den Beruf des Schreibers ergreifen können. Er blieb somit ein einfacher Bankhelfer, dem die reiche Bank nur soviel zugestand, dass es für das Essen und kurze Sommerferien an die Nordsee reichte. Stets sah ich meinen Vater traurig und weinend, oder er schimpfte mit mir. Nachdem sie in mir nun selber den Schizo sahen, den Gestörten, wahnsinnigen Geistseher, der sich immer mit Drogen zuzieht und ungern zur Maloche geht. Papa ging oft traurig zur Arbeit, er war für die Bankarschlöcher ja nur ein armer Tropf, den Mann herumkommandieren konnte. Stets nannte er sich selbst den „Krüppel“, für mich ist er das nie gewesen.

Mein Vater biss jeden morgen als er mit dem Bus zur Arbeit fuhr in den sauren Apfel. Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm, denn auch ich war für alle nach den schweren Jahren meiner Krankheit stets der Psycho. Nicht einen weiteren Krüppel zeugte mein Vater sondern nur den Psycho, den Schizo, wie die Bauern Menschen meines Schlages nennen. Ich habe dieses Wort niemals als Schimpfwort empfunden, aber Papa wollte nicht, dass man ihn Krüppel nannte. Nun ist seine Mama von uns gegangen und sein Papa auch und mein Vater ist wieder allein im Leben wie sein Sohn, mit dem er wieder und wieder Streit hat. Nie hat Papa verstanden was sein Sohn denn da für eine Charakterschwäche, die Ärzte Krankheit nannten, hatte.
Immer war er der, der sich durchkämpfen musste und sein Sohn war doch jetzt, da dieser nun krank war, derjenige der auf der Bühne des Mitleids präsent war. Hin und wieder schneide ich mir meine Adern auf, um mein Blut zu sehen und ich frage mich dann, ob es wirklich etwas böses ist. Der Unterschied zu mir und meinem Vater ist wohl stets der gewesen, dass ich als 13. Jähriger vollkommen scharf war und somit mein eigenes Schicksal ebnete. Natürlich waren dort in der Schule die Frauen von der Drogenintervention, die uns warnten. Tut das nicht, macht das nicht, das ist böse. Genau dieses Böse hatte mich doch stets fasziniert und als die Kommission vor mir stand, war es um meine liebe Seele doch schon längst zu spät gewesen.

Ich war jemand der das fließende Blut immer mochte und ich mochte das Spiel mit dem Feuer. Ich liebte es Dinge zu tun, die mir verboten war. Ob dies nun war, einen Schokoriegel im Supermarkt zu entwenden, sich mit dreizehn die Arme von seiner Borderliner-Freundin mit einer Rasierklinge aufschlitzen zu lassen oder den Weg des Wahnsinns zu wählen. Lange habe ich gebraucht, um zu verstehen, dass ich den Wahnsinn stets wollte. Alles wollte ich immer sein, nur nicht normal. Schon im frühen Jugendalter ekelte mich diese Normalität dermaßen an, dass ich mir die Haare rot färbte und Anarchiezeichen herumkritzelte.
Ich kotzte bei der Gesellschaft der Bänker, die meinen Vater hinterm Rücken einen Krüppel nannten, den man herum schubsen kann, wie einen demütigen alten Hund. Über die Jahre wurde mir somit klar, dass ich und meine Welt niemals im goldenen Zeitalter ankommen würden, wenn ich nicht das alte hinter mir lassen könnte. Und genau das war es, es war diese perverse Heuchelei von Mitleid gegenüber uns Beeinträchtigten, die ich stets verabscheut hatte. Nicht ich war schizophren, sondern die Bänker die meinen Vater tagsüber bemitleideten und ihn Abends als Quotenkrüppel bezeichneten. Es machte mich stets kochend vor Wut, bis ich die Pfaffen traf. Diese erklärten mir, dass wenn ich die Erleuchtung suchen möchte, ich doch diese Gefühle hinter mich lassen muss und ich denke dass es so ist wie Yoda und mein Meister Achim mir stets erklärt hatten.

Die wahre Dualität unseres Kosmos liegt in der Liebe und der Angst, dessen Ausartung die Form der Wut darstellt. Und so wurde auch mir klar, dass all diese Bänker irgendwo auch nur Menschen waren, die in einem pervers-kranken System Kapital akkumulierten und selbst unter Druck standen, ja gar meinen Vater eigentlich mochten, weil Sie ihm, den sonst keiner eine Arbeit geben würde, die Möglichkeit einräumten für sich und seine Familie zu sorgen. Vielleicht war es nur der Urlaub an die Nordsee den wir hatten, aber verdammt: Es war ein Urlaub. Ich hatte all diese Minderwertigkeitskomplexe nie verstanden, denn ich war anders. Die Krankheit hatte mich stark gemacht und die Empathie meiner Mutter mitfühlend. So würde ich nie sein wollen wie mein Vater ist. Aber vermutlich liegt das Problem genau darin, dass es aber bin.

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Oma war ein Philosoph

Da saß sie steht’s,
im Sesselwanken
und dachte: Geht’s?
Bin in Gedanken

Denk an das Gute im Leben drin
Denk an das Schlechte, ein Losgewinn
Denk an des Schicksals ganzen Sinn

Oma isst gern Hellweizenbrot
Oma ist seit einem halben Jahr tot
Oma liebte den Opa so gerne
Oma im Garten, es funkeln die Sterne

Opa raucht pfeife und trinkt gerne nen Grog
Opa hat Verstopfung und scheißt auf dem Pott
Opa hat im Krieg Menschen erschossen
Opa hat im Berge Eisen gegossen

Oma am Hofe und Oma am Pferde
Da kommt der Philosphe, der Denker der Herde
Opa der Bauer, Opa hasst Polen
Opa hat in Bayern ein Fahrrad gestohlen

Mein Blut des Nordens friert in weissem Eise
16 Jahre jung und doch schon ein Greise,
sitz in dem Sessel und denke ganz leise
Philosophen sind’s, die Philosophen schaffen
Gott der Philosoph, er würde es machen

Der Pfaffe

Da lag er vor mir. Der Typ mit den grauen Haaren, der immer so leicht schwul daherredete. Nackend lagen wir alle in der Sonne auf dem Dach. Er machte tiefe Blicke auf meine Füße, die zur Linken seines Kopfes auf dem Liegestuhl lagen. Selbst im Sommer gehe ich gerne in die Sauna und schwitze solange, bis mir mein Herz die Grenzen meiner körperlichen Konstitution aufzeigt. Auch der Pfaffe schwitzte gern, redete gern auf seine tuntige Art und Weise daher. Er quatschte in den Aufgüssen meist über die Angelegenheiten der Stadt und ich muss ehrlich gestehen, dass ich jedes mal ihn hörend, ihn schlichtweg, für das was er war, verurteilte.
In der Zeitung las man ja jetzt ständig von den neuesten Missbrauchsvorwürfen unserer sauberen Katholiken. Jedes mal, wenn ich den Pfaffen sah, kamen in mir diese Gedanken auf. Wie konnte man nur einem Kind etwas derartiges antun?

Einst träumte ich einmal, die Welt sei voll von Erwachsenen, die einer jungen Seele nur Gutes wollen, sie fördern und gedeihen lassen. Je erwachsener ich wurde, desto mehr entschwand diese Illusion einer gesunden Welt, mehr und mehr hörte ich vom Abschaum unserer Gesellschaft, den Kinderfickern, wie man sie auf der Straße nennt.
Manche sagen, ihnen gehöre direkt der Phallus entfernt. Ich persönlich wollte über die juristische Behandlung von Pädophilen nie entscheiden und war deshalb auch immer froh, nicht den Beruf eines Juristen gewählt zu haben.
War der Pfaffe einer von ihnen? Er schwitzte immer auf den unteren Bänken, zog nie wie ein Kämpfer durch und setzte sich nach oben zu uns, den Harten, die wir wie Brathähnchen im Ofen bei neunzig Grad vor uns hin wässerten. Stets sprang ich nach dem Aufguss ins kalte Becken, auch der Pfaffe tat das.
Von ihm wusste ich, dass er eine hohe Position in der Kirche betraute, in der Stadt etwas zu melden hatte und mit dem Bezirksbischof gar in Kontakt stände. Was konnte so jemand von der Liebe wissen? Leute seines Standes verboten sich die körperliche Liebe, predigten in ihren Messen jedoch von der bedingungslosen Liebe des Herrn Jesu Christi.

Meine Fußnägel waren wieder nicht geschnitten, es fiel mir auf, als der Priester sie anstarrte. Natürlich beschämte mich der Anblick meiner ungepflegten Füße sofort. Nun ja so lagen wir da und brieten in der Sonne. Die einen rauchten Marlboros und tranken dazu Weizenbier, die anderen lasen in ihren Romanen. Ich starrte in die Wolken. Plötzlich geschah es. Ein Wunder. Alles viel mit einem mal herab, all meine Wut, all mein Irrsinn, der Hass, den ich Jahrzehnte gelebt habe. Nun möge der Pfaffe ein böser Mensch gewesen sein, ich glaubte nie dass er wirklich einer war.

Aber dennoch wurde mir klar, was dieser Mann da täglich predigte. Bedingungslose Liebe. Was war denn das? War es das, dass ich den Pfaffen für seine Zunft verurteilte? Dafür dass Eltern Jahrhunderte lang ihre homosexuellen und auffälligen Kinder zu den Mönchen schickten, war es dass richtige die Katholiken dafür zu hassen? Nein und genau das, dieser fundamentale Funke Erkenntnis erleuchte in mir ein Nervenfeuerwerk. Wobei die Beschreibung eines Feuerwerkes irreführend ist, denn es war eher das Löschen eines Feuers. Ich war stets ein Freund der Kirche gewesen. Gerne sah ich mir die Fresken, die Gemälde an und wohnte hin und wieder einer Messe bei. Trügerisch stand ich der Zunft dennoch gegenüber, die als reichste Zunft der Welt bekannt ist. Aber all das konnte ich in dem Moment loslassen, all die Gedanken. All den Hass, die Wut und den Ärger. Ich war einen Moment frei. Freier als zuvor, es war ein wundervolles Gefühl. Später sagte ich dem Pfaffen einmal: „Ihre Kirche tut viel Gutes“. Vielleicht trinke ich mal ein Weizen mit ihm oder ein Kefir. Ich kannte seine Welt nun besser. Meine war ihm noch vollkommen unbekannt.

Männer weinen einsam

Papa weinte einsam
Tränen liefen sein Lied herab
Mama vollkommen verzweifelt
Was ist das für ein Kind

Malte malte einsam
ein lustiges Bild vom Krieg
Brüder leben zweisam
Lehrer setzt auf Sieg

Männer weinen einsam
weil alle immer lachen
Wecken nicht die Drachen
Spielen Schach gern zweisam

Frauen lieben einsam
Lieben Männer zweisam
Mama liebt ihr Kind

Kind raucht Hasch ganz einsam
Kind verfällt dem Teufel

Spiel mit mir gemeinsam
Bin dann nicht mehr einsam
Der, wer einsam gerne singt

Sonde 7 feiert bald den 7777. Besucher

Hallo fast es ist nur noch eine Frage der Zeit bis der 7.777 Leser die Sonde aufruft. Wir sind im Moment circa bei sieben Tausend.
Ich möchte mich dann mit einer weiteren Kurzgeschichte mit dem Namen “ Der Tag an dem die Erde unterging“ bedanken, sie wird recht witzig sein.

Ich danke allen Lesern, solch einen Erfolg hätte man vor 10 Jahren mit der Mittelalterfrontpageseite nicht erwartet.
Sonde 7 sollte von Anfang an für freie Informationen gehen, deswegen bin ich dagegen hier zu Zensuren, oder esoterische Inhalte, für mich zu behalten. Auch auf das stetige Angebot von
Wordpress mit der Seite Geld zu verdienen gehe nicht ein. Der Zugang zu Wissen sollte umsonst sein und das Internet frei, zumindest ist das meine Meinung.

Ich wünsche einen schönen Start in den Sommer Zweitausendundneunzehn.
Dazu ein Bild der Sonne Nibirus

Nibiru Sonne

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