Der Pfaffe

Da lag er vor mir. Der Typ mit den grauen Haaren, der immer so leicht schwul daherredete. Nackend lagen wir alle in der Sonne auf dem Dach. Er machte tiefe Blicke auf meine Füße, die zur Linken seines Kopfes auf dem Liegestuhl lagen. Selbst im Sommer gehe ich gerne in die Sauna und schwitze solange, bis mir mein Herz die Grenzen meiner körperlichen Konstitution aufzeigt. Auch der Pfaffe schwitzte gern, redete gern auf seine tuntige Art und Weise daher. Er quatschte in den Aufgüssen meist über die Angelegenheiten der Stadt und ich muss ehrlich gestehen, dass ich jedes mal ihn hörend, ihn schlichtweg, für das was er war, verurteilte.
In der Zeitung las man ja jetzt ständig von den neuesten Missbrauchsvorwürfen unserer sauberen Katholiken. Jedes mal, wenn ich den Pfaffen sah, kamen in mir diese Gedanken auf. Wie konnte man nur einem Kind etwas derartiges antun?

Einst träumte ich einmal, die Welt sei voll von Erwachsenen, die einer jungen Seele nur Gutes wollen, sie fördern und gedeihen lassen. Je erwachsener ich wurde, desto mehr entschwand diese Illusion einer gesunden Welt, mehr und mehr hörte ich vom Abschaum unserer Gesellschaft, den Kinderfickern, wie man sie auf der Straße nennt.
Manche sagen, ihnen gehöre direkt der Phallus entfernt. Ich persönlich wollte über die juristische Behandlung von Pädophilen nie entscheiden und war deshalb auch immer froh, nicht den Beruf eines Juristen gewählt zu haben.
War der Pfaffe einer von ihnen? Er schwitzte immer auf den unteren Bänken, zog nie wie ein Kämpfer durch und setzte sich nach oben zu uns, den Harten, die wir wie Brathähnchen im Ofen bei neunzig Grad vor uns hin wässerten. Stets sprang ich nach dem Aufguss ins kalte Becken, auch der Pfaffe tat das.
Von ihm wusste ich, dass er eine hohe Position in der Kirche betraute, in der Stadt etwas zu melden hatte und mit dem Bezirksbischof gar in Kontakt stände. Was konnte so jemand von der Liebe wissen? Leute seines Standes verboten sich die körperliche Liebe, predigten in ihren Messen jedoch von der bedingungslosen Liebe des Herrn Jesu Christi.

Meine Fußnägel waren wieder nicht geschnitten, es fiel mir auf, als der Priester sie anstarrte. Natürlich beschämte mich der Anblick meiner ungepflegten Füße sofort. Nun ja so lagen wir da und brieten in der Sonne. Die einen rauchten Marlboros und tranken dazu Weizenbier, die anderen lasen in ihren Romanen. Ich starrte in die Wolken. Plötzlich geschah es. Ein Wunder. Alles viel mit einem mal herab, all meine Wut, all mein Irrsinn, der Hass, den ich Jahrzehnte gelebt habe. Nun möge der Pfaffe ein böser Mensch gewesen sein, ich glaubte nie dass er wirklich einer war.

Aber dennoch wurde mir klar, was dieser Mann da täglich predigte. Bedingungslose Liebe. Was war denn das? War es das, dass ich den Pfaffen für seine Zunft verurteilte? Dafür dass Eltern Jahrhunderte lang ihre homosexuellen und auffälligen Kinder zu den Mönchen schickten, war es dass richtige die Katholiken dafür zu hassen? Nein und genau das, dieser fundamentale Funke Erkenntnis erleuchte in mir ein Nervenfeuerwerk. Wobei die Beschreibung eines Feuerwerkes irreführend ist, denn es war eher das Löschen eines Feuers. Ich war stets ein Freund der Kirche gewesen. Gerne sah ich mir die Fresken, die Gemälde an und wohnte hin und wieder einer Messe bei. Trügerisch stand ich der Zunft dennoch gegenüber, die als reichste Zunft der Welt bekannt ist. Aber all das konnte ich in dem Moment loslassen, all die Gedanken. All den Hass, die Wut und den Ärger. Ich war einen Moment frei. Freier als zuvor, es war ein wundervolles Gefühl. Später sagte ich dem Pfaffen einmal: „Ihre Kirche tut viel Gutes“. Vielleicht trinke ich mal ein Weizen mit ihm oder ein Kefir. Ich kannte seine Welt nun besser. Meine war ihm noch vollkommen unbekannt.

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Die Missgeburt

Gefangen im Schloss,

im Dunklen liegt die Vergewaltigung

Seh auf dein Bild

und wieder grüßt Storckholm

Du hattest den Sohn

der auch mein Fleisch war

bis zum Grabe getragen

Und jetzt welch ein Rockstar

und jetzt welch ein Dichter

im Tod verblühen Lebenslichter

Nochimmer fallen Tränen

was uns dort im Gefägnis passiert

dabei war es nur die eine Pappe

die uns Jahrzehte trennte

Er hat den Betäubten vergewaltigt

und jetzt bringt ihn der Fluch ums Leben

Möge er in der Hölle brennen

Jetzt scheinen Sonnenstrahlen ins Zimmer

Und die Kälte gefriert das Land

Tja und jetzt der Sohn schon längst verwelkt

ein Leben ohne Berechtigung auf Existenz

kann nicht Leben

Der Kaktus ist vertrocknet

mein Kind ist lange Tod

Der doch ein Mensch gewesen

Gequählt durch die Behinderung

die für seine Zeugnis sorgte

Herbstwind

Am Morgen trägt er die Blätter von den Bäumen,

Es ist Zeit die Felder zu leeren, die Kartoffeln einzufahren

Der Speicher füllt sich, Bauern fahren auf dem Sammelwagen,

Sieh im Wald, wie die dicken Pilze aus dem Boden ragen,

Ich will den Anblick des bunten Waldes nicht versäumen.

Der Tod, das Sterben des grünen wilden Sommers,

Vorbei, die Zeit der Musik, des Blitzes, des Donners,

Der Apfel schmeckt fruchtig sauer süß,

Die Speicher, der Agrare, wohin mit dem Gemüß?

Der Herbst kommt in kleinen Schritten stets zur Erde,

Die Engel hoch oben, backen auf dem Himmelherde,

Warme Kälte, nasser Wind, das Kind,

das Jahr für Jahr erneut zu Boden fällt,

der Bauershund, der wachend bellt,

Die Schweine, die Hühner, das Rind,

Im Land der Deutschen, weht des Herbstes Wind.

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