la chava

Es war ein grauer Tag, im allgemeinen ein solcher, an dem die wenigsten Menschen freiwillig das Haus verlassen würden. Nein sie taten es aus Zwang. Vielleicht um ein paar Lebensmittel zu holen, in die Universität zu gehen um eine Sprechstunde aufzusuchen, oder andere nicht mehr zu verschiebende Besorgungen zu erledigen. Ich dachte an meine Verflossene als ich im Bus Richtung Isersheim saß. Sie war eine reifere Frau gewesen, eine Lady, sie war im Status höher als ich. Das ist wohl unbestritten. Wir liebten uns intensiv und zügellos. Ich vermute, dass mein junges Anlitz sie erregte, denn trotz meines fortgeschrittenen Alters war mein Gesicht doch noch immer das eines Jünglings gewesen.

Oh wie es mich stets schmerzte, immer nur ein Spielzeug zu sein, denn ältere Frauen konnten sich nur schwerlich festlegen. Was sie suchten, war doch meist ein sicherer Hafen, ein festes Einkommen und einen erfahrenen Mann. All das konnte ich nicht bieten, warum sollte ich auch. Leute meines Schlages mögen natürlich das Gefühl der Sicherheit, doch ich habe mich immer vor einem Leben in trockenen Tüchern gefürchtet. Hätte ich eine Familie gegründet und wäre ein Pater familias geworden, ich wäre wohl getürmt, irgendwohin, aber weg von den Pflichtgefühlen und dem Ernährerstatus. In unseren heutigen emanzipierten Zeiten müssen Männer doch keine Ernährer mehr sein. Wieder dachte ich an Sonja, sie wollte mich, gewiss, aber nicht komplett.
Der Bus fuhr über die Landstraße Richtung Heimat, als ich wieder eines dieser Mädchen erblickte. Ihre weiten Augen verrieten seelische Tiefe. Sie schauten etwas verträumt. Mich erinnerte der Anblick an den Ozean, Wellen überströmten mich, als ich ihr ins Gesicht sah. Welch ein glücklicher Mensch ich bin, die Unbekannte setzte sich gegenüber. Die rötlich gefärbten Rastazöpfe signalisierten Verspieltheit, eng anliegende Kleidung präsentiere ihre wohlige Figur und einen weichen Busen, der etwas durch das bräunlich lederne Top hervorragte.
Sicherlich wollte sie so einladend aussehen. Trotz des Regens dieser Tage, schien sie wert darauf zu legen freizügig herumzulaufen und ihre Figur aufzuzeigen. Es war an jenem dieser ersten Herbsttage auch nicht mehr sehr warm, eine Jacke oder ein Überwurf wären bestimmt nicht fehlplaziert gewesen. Schüchtern betrachtete ich ihren Ohrenschmuck und das freche Nasenpiercing.

Und da sah ich etwas an ihren sonnengebräunten Armen, was ich schon oft bei Mädchen dieses Schlages gesehen hatte. Einerseits rief dies Zeichen der Gefahr in mir stets einen enormen Beschützerinstinkt hervor, andererseits warnte er vor Eskapaden. Strichförmige Narben zierten ihre Unterarme, es waren nicht wenige. Als Angestellter einer therapeutischen Wohngruppe war mir bewusst, dass das Mädchen sich selbst verletzt haben musste. Sie hatte sich die Arme mit einer Rasierklinge aufgeschnitten. Blut war aus ihrem Körper geflossen, aus Wunden die sie sich selbst zugefügt hatte. Warum? Mochte sie Schmerz? Mochte sie Blut? Brachte ihr der Anblick des roten Saftes ein warmes Gefühl. Ich kenne das, dachte ich. Wenn ich mich verletzt hatte, faszinierte mich doch immer die unglaubliche Regenerationskraft meines Körpers. Blut ist Leben. Ich hob kurz die Augen. Sie hatte meinen Blick wahrgenommen, etwas erschrocken schaute ich verlegen zur Seite. Sie musste wissen, dass ich an ihre Narben dachte.

Ich hielt es immer schon für mutig, wenn man sein Innerstes bewusst nach Außen kehrte und die Narben nicht versteckte. Nein sie war deshalb wohl in einem Bearbeitungsstatus ihrer Seelenerkrankung, der über den akuten Ausbruch hinausging. Sie war krank. Sie war wunderschön. Da schoss mein Herz los, das volle Programm. Der unabdingbare Drang ihr Nahe zu sein. Ich wollte sie trösten und mit ihr Sprechen. Ich wollte ihre roten Zöpfe fühlen und wissen wie es sich anfühlte ihr Nahe zu sein. Ein Endorphinfeuerwerk schoss mir durch das Herz und mein Magen schüttete soviel Glücksgefühle aus, dass es um mich geschehen war. Sonja war nun passe und es gab für mich nur eine Passion: Ich musste sie kennen lernen. Der Bus wurde daraufhin etwas langsamer und hielt an der Haltestelle Wertemühle. Die Fremde packte ihren Rucksack und schritt stolz aus dem Bus. Ich hatte sie verpasst.

Später zuhause dachte ich darüber nach ob ich mich wieder in eine solch problematische Sache stürzen sollte. Die Ratio versuchte mich zu ergreifen, aber natürlich hatte sie keine Chance. Mein Herz hatte gesprochen und ich war ihm schutzlos ausgeliefert. Morgen würde ich wieder im Bus sitzen. Morgen sollte die Sonne scheinen. Es würde ein schöner Tag werden.

Zahltag

Das Gold es klimpert im Tresor,
das Portemonnaie ist gefüllt.
Im Theater singt Hubertus im Tenor,
der Körper ist in Samt gehüllt.

Die Schränke voll mit Essen,
der Schmuck ist schon erstanden,
der Börsenkurs ist nicht zu Messen,
wir werden ohne Fallschirm landen.

Der erste Tag des Monates,
wenn die Kontenstände steigen,
gebührt dem Tonus des Sonates,
nie würden wir die Armut zeigen.

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