Die Brötchenmagd

Am Morgen dort
ein Brötchen liegt
ein Ofen hat’s
gebacken

Am Abend Mord
die Leiche liegt
ein Lächeln grinst
im Schatten

Am Frühstückstisch
ein Brötchendieb
ein Seitenhieb
die Dirne wird
gehangen

Am Mittag fort
ein Kruben liegt
die Tränen sind
vergangen

Ein Brötchenmensch
ein Liebchen lieb
kann in ihr Herz
gelangen

Ein zarter Schlag
ein schwerer Hieb
die Liebe ist vergangen

Ein stiller Mord
ein Brötchendieb
ein Schrecken auf
den Wangen

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Der Pfaffe

Da lag er vor mir. Der Typ mit den grauen Haaren, der immer so leicht schwul daherredete. Nackend lagen wir alle in der Sonne auf dem Dach. Er machte tiefe Blicke auf meine Füße, die zur Linken seines Kopfes auf dem Liegestuhl lagen. Selbst im Sommer gehe ich gerne in die Sauna und schwitze solange, bis mir mein Herz die Grenzen meiner körperlichen Konstitution aufzeigt. Auch der Pfaffe schwitzte gern, redete gern auf seine tuntige Art und Weise daher. Er quatschte in den Aufgüssen meist über die Angelegenheiten der Stadt und ich muss ehrlich gestehen, dass ich jedes mal ihn hörend, ihn schlichtweg, für das was er war, verurteilte.
In der Zeitung las man ja jetzt ständig von den neuesten Missbrauchsvorwürfen unserer sauberen Katholiken. Jedes mal, wenn ich den Pfaffen sah, kamen in mir diese Gedanken auf. Wie konnte man nur einem Kind etwas derartiges antun?

Einst träumte ich einmal, die Welt sei voll von Erwachsenen, die einer jungen Seele nur Gutes wollen, sie fördern und gedeihen lassen. Je erwachsener ich wurde, desto mehr entschwand diese Illusion einer gesunden Welt, mehr und mehr hörte ich vom Abschaum unserer Gesellschaft, den Kinderfickern, wie man sie auf der Straße nennt.
Manche sagen, ihnen gehöre direkt der Phallus entfernt. Ich persönlich wollte über die juristische Behandlung von Pädophilen nie entscheiden und war deshalb auch immer froh, nicht den Beruf eines Juristen gewählt zu haben.
War der Pfaffe einer von ihnen? Er schwitzte immer auf den unteren Bänken, zog nie wie ein Kämpfer durch und setzte sich nach oben zu uns, den Harten, die wir wie Brathähnchen im Ofen bei neunzig Grad vor uns hin wässerten. Stets sprang ich nach dem Aufguss ins kalte Becken, auch der Pfaffe tat das.
Von ihm wusste ich, dass er eine hohe Position in der Kirche betraute, in der Stadt etwas zu melden hatte und mit dem Bezirksbischof gar in Kontakt stände. Was konnte so jemand von der Liebe wissen? Leute seines Standes verboten sich die körperliche Liebe, predigten in ihren Messen jedoch von der bedingungslosen Liebe des Herrn Jesu Christi.

Meine Fußnägel waren wieder nicht geschnitten, es fiel mir auf, als der Priester sie anstarrte. Natürlich beschämte mich der Anblick meiner ungepflegten Füße sofort. Nun ja so lagen wir da und brieten in der Sonne. Die einen rauchten Marlboros und tranken dazu Weizenbier, die anderen lasen in ihren Romanen. Ich starrte in die Wolken. Plötzlich geschah es. Ein Wunder. Alles viel mit einem mal herab, all meine Wut, all mein Irrsinn, der Hass, den ich Jahrzehnte gelebt habe. Nun möge der Pfaffe ein böser Mensch gewesen sein, ich glaubte nie dass er wirklich einer war.

Aber dennoch wurde mir klar, was dieser Mann da täglich predigte. Bedingungslose Liebe. Was war denn das? War es das, dass ich den Pfaffen für seine Zunft verurteilte? Dafür dass Eltern Jahrhunderte lang ihre homosexuellen und auffälligen Kinder zu den Mönchen schickten, war es dass richtige die Katholiken dafür zu hassen? Nein und genau das, dieser fundamentale Funke Erkenntnis erleuchte in mir ein Nervenfeuerwerk. Wobei die Beschreibung eines Feuerwerkes irreführend ist, denn es war eher das Löschen eines Feuers. Ich war stets ein Freund der Kirche gewesen. Gerne sah ich mir die Fresken, die Gemälde an und wohnte hin und wieder einer Messe bei. Trügerisch stand ich der Zunft dennoch gegenüber, die als reichste Zunft der Welt bekannt ist. Aber all das konnte ich in dem Moment loslassen, all die Gedanken. All den Hass, die Wut und den Ärger. Ich war einen Moment frei. Freier als zuvor, es war ein wundervolles Gefühl. Später sagte ich dem Pfaffen einmal: „Ihre Kirche tut viel Gutes“. Vielleicht trinke ich mal ein Weizen mit ihm oder ein Kefir. Ich kannte seine Welt nun besser. Meine war ihm noch vollkommen unbekannt.

Männer weinen einsam

Papa weinte einsam
Tränen liefen sein Lied herab
Mama vollkommen verzweifelt
Was ist das für ein Kind

Malte malte einsam
ein lustiges Bild vom Krieg
Brüder leben zweisam
Lehrer setzt auf Sieg

Männer weinen einsam
weil alle immer lachen
Wecken nicht die Drachen
Spielen Schach gern zweisam

Frauen lieben einsam
Lieben Männer zweisam
Mama liebt ihr Kind

Kind raucht Hasch ganz einsam
Kind verfällt dem Teufel

Spiel mit mir gemeinsam
Bin dann nicht mehr einsam
Der, wer einsam gerne singt

Schönheit im Walde

Ich seh zurück auf 31 Jahre
Gewalt, Misshandlung, Qualen
schau rückwärts, zähle die Tage
Musik, Jubel, Heiterkeit
vor mir 10.000 Male
Liebe Sex und Zärtlichkeit
Huch das Glimmerding
Mein rötlich-bläulich Platinring
Gott mein Freund, du Hexer
schaffst es
mir, den härtesten Schlag zu verkaufen
als Schöne Vergangenheit
bin ich es, Sehnsucht nach Streit
Als das Blut aus meiner Pulsader floss,
nie wieder hatte ich so gelebt
Nie wieder hatte ich so geliebt,
es gespürt
wie damals, ich ließ Sie gehen
hätte ich die Wahl?
Ich wäre wieder in den Wald gegangen
und hätte geschnitten
Denn
Ich habe ihn niemals verlassen können
Weil ich es gar nicht wollte

Mein Herz

Hier sitzt du nun, nach all der Arbeit. Nach all dem Mühn nach all der Arbeit mit den Kindern nach all dem Denken, den schweren Zeiten, die da groß gewesen sind und doch in aller der Depression, waren es doch die Tränen, die sie so schön gekitzelt hatten. Nun lag sie da in ihrem Schaukelstuhl und träumte wieder.

Sie dachte zurück an alte Zeiten, ihre Hochzeit, an Johann, wie er an einem windigen Herbstnachmittag nach langem Spaziergang um ihre Hand angehalten. Und nun? Sie schaute nicht gerne in den Spiegel. Das was einst jung und knusprig gewesen war, war nun hängend, schwarzes Haar war grau und ganz langsam weiss geworden. Sie erinnerte sich zurück an ihre Jugend, in der sie festgestellt hatte, dass die Uhren sich immer schneller drehen, desto mehr Zeit verstrichen ist und an die Jahre mit Mann und Sohn, an die ersten Falten und an die Erkenntnis, dass ihre Zeit auf dieser Welt nicht ewig andauern könne.
Ihre Enkel kamen oft zu Besuch und dachten sich doch jedes mal etwas Schönes aus, dass sie Ihr bringen konnten, einen alten Film, Heinz Erhardt zum Beispiel, eine kräftigen Eintopf mit würzigen Mettwürsten, die stark im Magen lagen.
Wieder wehte der Wind, der alles überdauern würde, so wie das stille Rauschen der Meere. Sie wusste, dass ihre Tage gezählt waren. Jetzt wusste sie dass die Tage vielleicht noch zweistellig sein könnten, mit viel Glück eine eins vorm Zehner, aber auch leider nicht viel mehr. So schaukelte sie, wenn ihre Beine es ihr erlaubten zum Walzer, der Volksmusik, es war doch ein buntes Leben gewesen.
Den Bruder im Krieg verloren, als Kind hatten ihre Eltern oft vom großen Führer und der Überlegenheit der deutschen Rasse erzählt. Mit Leuchten in den Augen, einem Leuchten sie erinnerte sich, so ein leuchten später bei einem vom Wahnsinn Befallenem gesehen zu haben. Dieser enthusiastische Schrei der Augen und ihr Glanz von Aktiviktät, lange noch hatte ihre Familie die Lügen geglaubt. Aber über die Jahre kamen neue Führern, neue Redner mit neuen Parolen. Auch die Politik gleicht dem Meere dachte sie, denn in die Wellen der Faszination und Aufschwung sind meist gefolgt von Lethargie und Stagnation.
Die Wellen immer viele hohen Wellen, und eine Ebbe, eine Macht die entgegengesetzt war, es gab sie tatsächlich. Ob das Meer auch über Politik nachdachte? Noch ein Tag weniger. Ein Tag wie jeder andere, den jeder Mensch täglich lebt, der für ihn ein Tag weniger, vielleicht ein Tag mehr war. Aber es war ein Tag und das war doch immer viel mehr als nichts. Und wenn wir auch nur wenige Tage zählen, wir haben immerhin Tage gezählt, das war doch etwas.
Ich habe mein Leben gelebt, und bald stehe ich vor ihm. Vor dem, dem wir tausende von Kirchen widmen, hunderte Moscheen, Synagogen, Tempel und andere Gotteshäuser. In diesem Moment wo nichts mehr zwischen ihr und der Energie aus der sie einst gekommen war stand, würde sie reden können. Sie würde etwas zu sagen haben, sicherlich viele Fragen stellen, aber sie würde nicht wegschauen müssen, wie die die nur für den Tag leben, leugnend dass es ein vor und zurück gab, leugnend dass die Welt auch bestand, wenn sie sich nicht mehr um sie selbst drehte.
Diese Menschen würden wegschauen und was dann? Strafe Tod? Ihr Gewissen war rein, eine weiße Weste, härter als jeder Panzer der je gewesen ist, ein Mantel aus Mithril, dem blauen Mana, ob es das alles wirklich gab? Es liegt nicht in der Hand der Sterblichen, über die Ewigkeit zu wissen, aber man gab ihnen die Möglichkeit darüber nachzudenken. Denn kein Wesen lebt für sich, kein Fluss der nicht auf Boden fließt, kein Boden der nicht durch alle Gezeiten ewig in Wechselwirkung ist. Grausam ist aber doch die Natur, was sie immer glaubte, das war bittersüß. Und das war ein beruhigender Gedanke das alles bittersüß ist, ein Mischung als Salz und süße, aus allem irgendwie, alles hatte seine Berechtigung.

Und wie gut waren erst die Speisen der Köche, die es verstanden eine Säure oder gar eine Bitternote einzubauen. Und dann dachte sie an Martin. Ein seltener Moment kam eine süße Träne entwich ihrem Auge, eine Träne des Glückes. Des Glückes beim betrachten der Vergangenheit ihres Sohnes, der groß geworden ist. Und dann plötzlich war er 25 und ein Mann geworden, fähig selber eine Familie zu gründen, fähig zu Lieben und der doch soviel zurückgab nur wenn sie ihn ansah. Selten sind die ist die Form des Glückes in Tränen, eine perfekte Form, denn sie beinhaltet eine zartbittere Schokolade, einen Schmerz ein Glück in Trauer, ein tragisches Glück. Staub sind wir auf ewig, dachte die Oma. Ein kalter Februarwind wehte draußen als sie die Augen schloss und alles wieder bunt wurde. Sie blickte ins blaue Mana, das Herz pochte stark. Stärker immer stärker und es brannte wohl, aber sie spürte nur noch die Quelle. Der unerschöpfliche Brunnen von weißem Lichtwasser in den ihr Geist entsprang. Dieses Leben war so schön wie hart, aber es riefen neue Aufgaben, eine Frischzellenkur. Ein letztes mal küsste ihre Seele den Leib und glühte davon. Am nächsten Morgen fand man ihren kalten Kadaver in dem bereits Zersetzungsbaktierien wüteten. Ascheweiß war ihre haut geworden man barg sie auf schminkte sie und steckte sie in eine nussbraunen Sarg den man auf dem örtlichen Friedhof verscharrte und mit Lilien bewarf. Ein Fluss aus Tränen, dem Wasser entspringend, welches unser aller Mutter darstellt. Ein dicker Stein würde auf das Grab gestellt, im Herbst wehte der Wind Laub auf die warme Erde. Und der Wind wehte weiter immer weiter, bald würde der Winter kommen, es war jetzt schon kalt.

Gewidmet E.G.

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