Kleines braunes Reh

Als Kinder sahen sie sich im Hofe,
dich kleines braunes Reh,
erste Liebe tat ihm weh,
du schwarzhaarige Königszofe

Und betrunken war sein
kleines braunes Reh
zum ersten mal im Mai
der erste Kuss, es waren drei

Und so begann der Knabe
das Tabakrauchen,
das Trichtersaufen
mit dir du kleines braunes Reh,

Ein Zug fuhr ihn daraufhin
weg von dort wo ihr
gewohnt habt.

An einen unbekannten fremden Ort
eine geschlossenes verboten Zimmer,
Reh dein Knabe starb nicht dort
er ward verschlossen dort für immer,

Es war ein Schlüsselloch
durch den unser Knabe kroch,
und brach der Raumzeit einen Streich
so flog er durch den Quantentunnel
Jetzt sind fünfzig Jahre fort,
der Knabe, er lebt nicht mehr dort,
im Bus traf er ein kleines braunes Reh,
wie sie selbst einst gewesen.

Viele Rehe glitten ihm durch die rauen Hände
aber er malt das eine Reh an weisse Wände
das mit den gelbschwarzen Kaffeeaugen
Grenzlinien testen Glauben

Wenn er sich zurückerinnert
sich Erinnerung zurechtzimmert
dann war da nur die Wiese
und das Maisfeld der Liebe
in dem er das Mädchen traf

Rehfamilien ziehen durch den Wald,
und Kitze suchen Eicheln,
Da kommt ein alter Hirsch vorbei,
er sucht noch immer,
nach seinem kleinem braunen Reh

Die Brötchenmagd

Am Morgen dort
ein Brötchen liegt
ein Ofen hat’s
gebacken

Am Abend Mord
die Leiche liegt
ein Lächeln grinst
im Schatten

Am Frühstückstisch
ein Brötchendieb
ein Seitenhieb
die Dirne wird
gehangen

Am Mittag fort
ein Kruben liegt
die Tränen sind
vergangen

Ein Brötchenmensch
ein Liebchen lieb
kann in ihr Herz
gelangen

Ein zarter Schlag
ein schwerer Hieb
die Liebe ist vergangen

Ein stiller Mord
ein Brötchendieb
ein Schrecken auf
den Wangen

Der Pfaffe

Da lag er vor mir. Der Typ mit den grauen Haaren, der immer so leicht schwul daherredete. Nackend lagen wir alle in der Sonne auf dem Dach. Er machte tiefe Blicke auf meine Füße, die zur Linken seines Kopfes auf dem Liegestuhl lagen. Selbst im Sommer gehe ich gerne in die Sauna und schwitze solange, bis mir mein Herz die Grenzen meiner körperlichen Konstitution aufzeigt. Auch der Pfaffe schwitzte gern, redete gern auf seine tuntige Art und Weise daher. Er quatschte in den Aufgüssen meist über die Angelegenheiten der Stadt und ich muss ehrlich gestehen, dass ich jedes mal ihn hörend, ihn schlichtweg, für das was er war, verurteilte.
In der Zeitung las man ja jetzt ständig von den neuesten Missbrauchsvorwürfen unserer sauberen Katholiken. Jedes mal, wenn ich den Pfaffen sah, kamen in mir diese Gedanken auf. Wie konnte man nur einem Kind etwas derartiges antun?

Einst träumte ich einmal, die Welt sei voll von Erwachsenen, die einer jungen Seele nur Gutes wollen, sie fördern und gedeihen lassen. Je erwachsener ich wurde, desto mehr entschwand diese Illusion einer gesunden Welt, mehr und mehr hörte ich vom Abschaum unserer Gesellschaft, den Kinderfickern, wie man sie auf der Straße nennt.
Manche sagen, ihnen gehöre direkt der Phallus entfernt. Ich persönlich wollte über die juristische Behandlung von Pädophilen nie entscheiden und war deshalb auch immer froh, nicht den Beruf eines Juristen gewählt zu haben.
War der Pfaffe einer von ihnen? Er schwitzte immer auf den unteren Bänken, zog nie wie ein Kämpfer durch und setzte sich nach oben zu uns, den Harten, die wir wie Brathähnchen im Ofen bei neunzig Grad vor uns hin wässerten. Stets sprang ich nach dem Aufguss ins kalte Becken, auch der Pfaffe tat das.
Von ihm wusste ich, dass er eine hohe Position in der Kirche betraute, in der Stadt etwas zu melden hatte und mit dem Bezirksbischof gar in Kontakt stände. Was konnte so jemand von der Liebe wissen? Leute seines Standes verboten sich die körperliche Liebe, predigten in ihren Messen jedoch von der bedingungslosen Liebe des Herrn Jesu Christi.

Meine Fußnägel waren wieder nicht geschnitten, es fiel mir auf, als der Priester sie anstarrte. Natürlich beschämte mich der Anblick meiner ungepflegten Füße sofort. Nun ja so lagen wir da und brieten in der Sonne. Die einen rauchten Marlboros und tranken dazu Weizenbier, die anderen lasen in ihren Romanen. Ich starrte in die Wolken. Plötzlich geschah es. Ein Wunder. Alles viel mit einem mal herab, all meine Wut, all mein Irrsinn, der Hass, den ich Jahrzehnte gelebt habe. Nun möge der Pfaffe ein böser Mensch gewesen sein, ich glaubte nie dass er wirklich einer war.

Aber dennoch wurde mir klar, was dieser Mann da täglich predigte. Bedingungslose Liebe. Was war denn das? War es das, dass ich den Pfaffen für seine Zunft verurteilte? Dafür dass Eltern Jahrhunderte lang ihre homosexuellen und auffälligen Kinder zu den Mönchen schickten, war es dass richtige die Katholiken dafür zu hassen? Nein und genau das, dieser fundamentale Funke Erkenntnis erleuchte in mir ein Nervenfeuerwerk. Wobei die Beschreibung eines Feuerwerkes irreführend ist, denn es war eher das Löschen eines Feuers. Ich war stets ein Freund der Kirche gewesen. Gerne sah ich mir die Fresken, die Gemälde an und wohnte hin und wieder einer Messe bei. Trügerisch stand ich der Zunft dennoch gegenüber, die als reichste Zunft der Welt bekannt ist. Aber all das konnte ich in dem Moment loslassen, all die Gedanken. All den Hass, die Wut und den Ärger. Ich war einen Moment frei. Freier als zuvor, es war ein wundervolles Gefühl. Später sagte ich dem Pfaffen einmal: „Ihre Kirche tut viel Gutes“. Vielleicht trinke ich mal ein Weizen mit ihm oder ein Kefir. Ich kannte seine Welt nun besser. Meine war ihm noch vollkommen unbekannt.

Männer weinen einsam

Papa weinte einsam
Tränen liefen sein Lied herab
Mama vollkommen verzweifelt
Was ist das für ein Kind

Malte malte einsam
ein lustiges Bild vom Krieg
Brüder leben zweisam
Lehrer setzt auf Sieg

Männer weinen einsam
weil alle immer lachen
Wecken nicht die Drachen
Spielen Schach gern zweisam

Frauen lieben einsam
Lieben Männer zweisam
Mama liebt ihr Kind

Kind raucht Hasch ganz einsam
Kind verfällt dem Teufel

Spiel mit mir gemeinsam
Bin dann nicht mehr einsam
Der, wer einsam gerne singt

Schönheit im Walde

Ich seh zurück auf 31 Jahre
Gewalt, Misshandlung, Qualen
schau rückwärts, zähle die Tage
Musik, Jubel, Heiterkeit
vor mir 10.000 Male
Liebe Sex und Zärtlichkeit
Huch das Glimmerding
Mein rötlich-bläulich Platinring
Gott mein Freund, du Hexer
schaffst es
mir, den härtesten Schlag zu verkaufen
als Schöne Vergangenheit
bin ich es, Sehnsucht nach Streit
Als das Blut aus meiner Pulsader floss,
nie wieder hatte ich so gelebt
Nie wieder hatte ich so geliebt,
es gespürt
wie damals, ich ließ Sie gehen
hätte ich die Wahl?
Ich wäre wieder in den Wald gegangen
und hätte geschnitten
Denn
Ich habe ihn niemals verlassen können
Weil ich es gar nicht wollte

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