Die Fahrt (Erzählung)

19 Minuten. 19 Minuten sollte es dauern bis die 8 an der Bäckereingasse halten würde um Fahrgäste aufzunehmen.

Ein sonniger Tag Lag hinter Rosenheim, die Sonne hatte gelacht, man trank Cocktails, aß ein Eis oder vergnügte sich am Badesee. Eine Truppe Jungsters stand dort und man hörte Hardstyle durch die qualvoll klingenden Handyboxen.

Musik schon, aber so macht das nun wirklich keinen Spaß. Die Jungspunde voll beladen, in der linken der Fürst Uranov Vodka, in der rechten glimmt eine Zigarette, manche rauchten gar nichts andere pafften ihr Skunk, die Stimmung: laut.

Es war ein Freitag. Da kam sie die lang erwartete Acht, sie führte in die Altstadt, in die Bars und Spelunken, die zu dieser Zeit balzwütige Jungsters anzog. Christoph erblickte kurze Röcke, nackte Beine ein Hauch von Gier machte sich für kurze Zeit in seinen Gedanken breit, doch dafür war kein Platz, nicht jetzt, aber denken das durfte man doch.

Sein Kopf kahl, die Finger zitterten leicht, die Freitagsnachtschichten waren nicht seine Welt, er war nervös und niemand durfte es merken. Er musste ihn lenken, es war seine Aufgabe und mit pochendem Herzen fuhr er dort an, dort an die Bäckereingasse, dort wie sie wieder standen, die hübschen Weiber, von dem ihm nicht mehr blieb als die Gedanken und Träume, dick machte ihn der Feierabendfraß.

Auch eine silberne Brille musste er beim Fahren tragen und doch trotz der Optik, doch war er Mensch, keine Maschine, kein Lenkroboter.

Die Gäste stiegen ein, der eine einen tropfenden Plastikbecher mit brauner Flüssigkeit in der Hand. Jetzt musste er es sagen, nur nicht schon wieder, diese Kinder. “ Bitte keine offenen Getränke mit in den Bus nehmen“, rutschte über seine Lippen, die Stimme hoch und leise, jedem war klar er war nicht hart und stark. “ Alter, meine Fresse“ sprach der Gast zog den Becher leer und ging in den Bus. „Die Busfahrer werden auch immer hässlicher“ hörte er von hinten. Er drückte den Mund zusammen, ein Uhr. Noch vier Stunden. Der hässliche dicke Mann saß da, er, der doch Gefühle hatte, der einst ein kleiner Junge gewesen den die Mutter küsste, niemand sah ihn an, von hinten sah man nur die Glatze.

Er dachte an seinen Feierabenddöner und kniff die Lippen zusammen. Niemals würde er eine von den hübschen Mädchen berühren, dafür war er zu nervös, sie verloren schnell das Interesse, ansprechen konnte er sie erst wenn er viel Schnaps getrunken hatte. „Der ist auch angezogen wie sonne Schwuchtel, die Hackfresse“ sprach der Fahrgast, der eben noch das Getränk gelehrt.

Christoph fühlte es wieder. Es war keine Trauer, es war ein beklemmendes Gefühl, eine graue Angst, er fürchtete diese Jugendlichen. Würde er im Bett vorm Schlafe wieder mit den Tränen kämpfen müssen, es war alles so traurig und gemein. Keine Haare wuchsen mehr auf seinem Kopf, er trank duftenden Kaffee, der auf seinem kleinen Fahrertischleine im Halter stand.

Er hasste das Fahren, was ihn doch glücklich machte. Er mochte den Blick auf die Uhr nicht, aber genoss das Gefühl eine Aufgabe zu haben, eine kleine zwar aber, er war kein Nichtsnutz, wie viele ihn geschimpft auf der Hauptschule, er verdiente Geld, keine Reichtümer, kein Vermögen, dennoch genug zum Leben, auch für eine schöne kleine Eigentumswohnung reichte es.

Und da war noch sein Kater Jonas, dem er gerne das teure Futter kaufte, da war doch auch der kleine Junge im Haus, der ihn immer so nett grüßte und dem er manchmal eine Tafel Milka oder eine Tüte Haribo an die Wohnungstür gelegt, es war nicht sein Kind, aber er liebte es. So ist es mit Gottes Geschöpfen, nicht nur Hass ist in Ihnen, sondern viel Liebe, sie kann sich im Bette, im Ehering, auch bei der Arbeit im Detail äußern, bei einem besonders intensiv ausgetüfteltem Schachzug, oder eben in der kleinen Freundschaft, die zwischen Christoph und dem Jungen bestand.

Wahrscheinlich hielt man ihn für einen perversen, manchmal sagten die Gäste er sehe aus wie ein Behinderter. Was kann das heißen? Warum ist die Welt so, aber warum dieses Glück, aber warum der leckere Döner, der Schnack mit Mostafa dem Pakistaner des Dönerladens, der immer guter Dinge, in diesem schönem starken Land.

Keine Frau wärmte ihm das Bett, er wollte eine er konnte keine haben. Endlich in der Altstadt angekommen, die Jünglinge stiegen aus, wieder leer, und wieder den Bogen fahren, die Runde, noch vier mal, noch drei mal zack und fertig. Ach war das schön und er fuhr doch gerne, trank einen großen Schluck und war kein Fettsack und Behinderter mehr, war doch eine zarte Blume, ganz verletzlich und süß. War doch ein Mensch.

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Schwarm der Meute

Ich reiße mir den Schädel ein,

trinke süßlich weißen Wein.

Seit Jahren dieser Feierwahn,

Die Bühne leuchtet hell und klar,

selig schon die Straßenbahn,

das gelbe Bier schäumt weißlich hell,

Der Trinker zahlt mit Münze bar.

Rauchen, Trinken, Schlagen Tod,

Straßen voll mit Hundekot.

Wenn ich mich doch erheben könnte,

und hier Leben wie ein König,

dann wärs doch nicht die Meute

deren Psyche wär ich löhnig.

 

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