Eine Tagebuchseite

Wie Chockmah und Bina,
Wie Himmel und Hölle,
Wie Liebe und Angst

Keiner lacht mehr über meinen Witz
da gehst du von mir, noch eine im Zirkel
als währest du ein Strich gewesen
der meine Bücher hat gelesen

Gaia, in deiner warmen braunen Brust,
sitzt das wahre Glück der Manneslust

Der mit dem Helm zu Walde zieht
es ist nun an der Zeit für ihn

Er wirft seine Geldscheine auf die Straße
lässt den Schlüssel in der Wohnung
er schließt das Äon ab.

Auf Esperanto singt er ein Abschiedslied
und bewirft den Führer mit Tomaten

Zwanzig mal Zwanzig Jahre
für diese Zeit, wird er pilgern weit

Zurück in den Wald
aus dem er einst erwacht.
Ein unknackbares Schloss
hängt davor.

Müll

Alles voller Pfandflaschen. Neulich habe ich eine Pfandflasche, die etwas verschmutzt war aufgehoben. In der Bushaltestelle stand eine Arabarin mit Kopftuch, sie hatte angeekelt die Augen gerollt. Für mich waren das acht Cent. Drei Münzen. Eine Flasche hatte ich noch im Rucksack und eine weitere würde ich bestimmt in Bahnhofsnähe finden. Neulich im Bus haben Kinder mich ausgelacht, weil mein Bart so lang geworden ist und ich nur selten Gelegenheit habe ihn zu rasieren. Wenn man auf der Straße lebt, riecht man oft nach Regen und Wetter, aber ich achte erpicht darauf, nie zu stinken. In einem Schwimmbad, in der Nähe der Stadt gibt es einen Freigang zu den Duschkabinen, dort bin ich oft, obwohl mir eine junge energische Frau schon Hausverbot für mein Eindringen erteilt hat. Aber es gibt dort einen afghanischen Aushilfsbademeister, der immer Mittwoch morgen da ist, der für mich immer ein Auge zudrückt. Mit 24 Cent kann ich mir schon eine Packung Zigarettenpapier kaufen, ich hätte sogar noch 4 Cent übrig. Bei Aldi gibt es einen Viererpack für 79 Cent. Der Bademeister Karim raucht immer Marlboro, meist gibt er mir eine nach der Dusche, die ich immer sehr lange hinausziehen, denn warmes Wasser gibt uns Menschen Kraft. Ich bin neulich nach dem Duschen vor dem Schwimmbad auf einen fünf Euro Schein gestoßen. Ich hatte ihn noch immer in der Tasche, was sollte ich mir denn davon überhaupt kaufen. Tabak gibt es soviel in der Stadt. Die Menschen werfen Stummel überall hin, man braucht nur den Tabak entnehmen und ihr zu trocknen. Dazu ein neues Blättchen und schon hat man eine schöne starke Fluppe. Ich rauche diese Zichten sogar lieber als Karims Marlboro. Ich wohne jetzt schon lange auf der Straße und bin über di e Gutherzigkeit der Menschen erfreut.

Aber dennoch kommen mir sehr oft die Tränen, seitdem dem mein Freund Christian nicht mehr ist. Christian ist in eine missliche Situation gekommen. Leider hat er dem Alkohol zu sehr zugesprochen, so wie ich dem Tabak und dem Crystal. Da hatte er in der Stadt 5 Euro gebettelt und sich eine Flasche Uranov gekauft. In seiner Einsamkeit hatte Christian die Flasche ganz alleine geleert. Mein Freund Christian schlief daraufhin in der Nähe eines Supermarktes stadtauswärts ein. Jugendliche hatten wohl viel getrunken und ihn des Nachts schlafen sehen. Er hatte sich durch den Alkohol selbst bepisst und beschissen und muss fürchterlich gerochen haben. Die Grausamen hatten ihm einen Kanister Benzin übergekippt und ihn daraufhin angezündet. Sie haben meinen Freund Christian bei lebendigem Leibe verbrannt. Sie hatten ihn gefunden, sich über ihn lustig gemacht. Irgendwann hat einer von ihnen Benzin besorgt und es über Christian geschüttet. Er war ein Säufer ja. Aber er war wie ich doch ein Mensch. Man muss wissen, dass ich, als ich vor meinen Eltern floh zunächst auf der Straße alleine umherzog. Es war doch mein lieber Christian gewesen, der mir erklärte wo man Essen bekommt, ohne Geld, wie man Tabak sammelt und wie man am besten in der Stadt schnorren kann. Im Winter hat er mir oft Kleidung aus einem Container mitgebracht. Sie hatten ihn auf bestialische Weise verbrannt und sich einen Spaß daraus gemacht. Als ich von Christians Tod hörte bin ich in die Kirche gegangen und habe zum Teufel gebetet, diese Menschen zu packen und in sein ewiges Feuer zu stecken. Seitdem das passiert ist habe ich Angst vor der Welt und den Menschen.
Im Moment finde ich oft alte Kabel.

Ich habe ein Taschenmesser und schneide damit die Ummantelung ab um auf den Draht zu kommen. Aus diesen Drähten stelle ich Ringe her und verstecke sie nahe einer Eiche im Wald bei Kinderhaus. Ich werde, wenn es wieder Sommer ist, versuchen meine Ringe an den Mann zu bringen, denn sie sind schön. Kleine Kunstwerke. Die Straße ist rau und hart. Ob Christian mich noch hin und wieder besucht?

Ich glaube das mir das alles etwas sagen sollte. Ich muss aufhören mit dem Träumen, den Drogen und dem Leben hier. Ich muss weg von der Straße. Nicht für mich , sondern für dich Christian. Ruhe in Frieden

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